Muskel- und Gelenkbeschwerden

Shownotes

Diese Episode vermittelt Apothekerinnen und Apothekern praxisnahes Wissen zu Muskel- und Gelenkbeschwerden. Sie erklärt die physiologischen Grundlagen und unterscheidet akute Verletzungen (z. B. Zerrung, Muskelfaserriss) von chronischen Leiden wie Arthrose oder rheumatoider Arthritis. Betont werden "Red Flags", die zwingend ärztlich abgeklärt werden müssen. Die wichtigsten Therapieoptionen werden ebenso diskutiert wie nicht-medikamentöse Massnahmen und Lebensstilinterventionen.

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00:00:10: Willkommen zu einer neuen Episode unseres Podcasts für Apothekerinnen und Apotheka.

00:00:16: Wir fokussieren uns heute auf ein häufiges Beratungsthema in der Apotheke, Muskel- und Gelenkbeschwerden.

00:00:24: Helmut du hast die Online Academy Fallstudie, die im Juni, es ist redaktionell geprüft.

00:00:33: Lass uns mit der Basis starten!

00:00:35: Wie unterscheiden sich die Muskelstrukturen?

00:00:38: Und wie funktionieren unsere Gelenke auf zellulärer Ebene?

00:00:42: Wir müssen primär drei Muskelarten unterscheiden.

00:00:46: Die quergestreifte Skelettmuskulatur wird bewusst gesteuert und überträgt Bewegungsimpulse über die Sehnen auf die Knochen.

00:00:55: Auf mikroskopischer Ebene sorgen Motoneurone unter Mitwirkung des Neurotransmitters.

00:01:01: Azzethylkulin dafür, dass die Myofibrillen im Muskelinneren kontrahieren.

00:01:07: Im Gegensatz dazu arbeiten die glatte Muskulatur, wie sie beispielsweise im Darm oder den Blutgefessen vorkommt sowie die Herzmuskulatur unbewusst.

00:01:17: Ein faszinierendes Detail der Endocrinologie des Muskels.

00:01:21: Skelettmuskeln schütten bei Aktivität den Botenstoff Maslin aus welcher Kardioprotektiv wirkt.

00:01:28: Da Herzmuskelzellen dieses Maslin nicht selbst herstellen können erklärt dies den direkten kardiovaskulären Nutzen von Krafttraining.

00:01:37: Zu den Gelenken.

00:01:39: Echte Gelenke besitzen einen flüssigkeitsgefüllten Gelenkspalt.

00:01:44: Die innere Schicht der Gelenkkapsel produziert die Gelenkflüssigkeit, die unter anderem Hyaluronsäure enthält.

00:01:51: Sie ist essentiell für die Knorpelernährung und die optimale Druckverteilung.

00:01:57: Bevor wir zu den Pathologien kommen wie relevant sind diese Erkrankungen epidemiologisch in der Schweiz?

00:02:03: Und was sind die wesentlichen Auslöser?

00:02:06: Die Relevanz ist enorm.

00:02:08: Muskuloskeletale Erkrankungen verursachen bei chronischen Verläufen knapp fünfzehn Prozent aller Gesundheitskosten in der Schweiz.

00:02:17: Wir sprechen hier beispielsweise von rund fünfzehntausend Menschen mit Myopathien und circa fünfundachzigtausend Personen, mit Rheumatoida atritis.

00:02:27: Die Ursachen teilen wir in akut- und chronisch ein.

00:02:31: Zu den chronischen Auslösern zählen metabolische Störungen wie Typ II Diabetes oder Gicht.

00:02:37: Endocrine Ursachen, wie eine Hypothyriose aber auch Vitamin D- oder Kaliummangel.

00:02:44: Auch virale Infektionen sowie chronischer Stress und Bewegungsmangel sind entscheidende Faktoren.

00:02:51: Ein sehr wichtiges Thema für uns in der Offizien sind medikamentös induzierte Beschwerden.

00:02:57: Welche Wirkstoffgruppen müssen wir besonders im Auge behalten?

00:03:01: Das prominenteste Beispiel sind definitiv die Statine.

00:03:05: Sie können Muskelschmerzen oder Muskelschwäche begünstigen.

00:03:09: Interessanterweise zeigen neuere Studien, dass Mutationen an den Rianodin-Rezeptoren vom Typ I in der Skelettmuskulatur erklären könnten, warum nur bestimmte Personen diese Nebenwirkungen entwickeln.

00:03:22: Das Risiko steigt dosisabhängig durch Wechselwirkung mit starkem C-Ulpip drei IV-Inhibitoren.

00:03:29: Dazu gehören Makrolitantibiotika wie Claritromycin, Azolantimykotika wie Ithrakonazol oder auch Grapefruitsaft.

00:03:40: Eine aktuelle Metaanalyse verdeutlicht jedoch?

00:03:43: Nur bei ca.

00:03:44: zehn Prozent der Betroffenen lassen sich die Muskelsymptome tatsächlich kausal auf das Statin zurückführen!

00:03:51: Der kardiowaskuläre Nutzen überwiegt also fast immer... Weitere Auslöser für Muskel- und Gelenkbeschwerden sind systemische, Glucocorticoide, Fluorchinolone, Aromatasehemmer oder antiretrovirale Wirkstoffe.

00:04:08: Auch bei der medikamentösen Gewichtsreduktion mit Ingretinanaloga wie Semaglutid müssen wir aufpassen – hier kann es zu einem rasanten Verlust an Muskelmasse von bis zu zehn Prozent kommen!

00:04:22: Das erfordert hohe Wachsamkeit in der Beratung.

00:04:25: um bei den Muskeln zu bleiben.

00:04:28: Was sind die absoluten Red Flags, bei denen wir Kundinnen und Kunden sofort eine ärztliche Kontrolle empfehlen müssen?

00:04:35: Eine ärztlich Abklärung ist zwingend bei Verdacht auf schwerwiegende Komplikationen.

00:04:41: Eine klarer Red Flagg ist dunkel gefärbter Urin in Kombination mit muskulären Beschwerden was auf eine negrotisierende Muskelschädigung – die Raptormiolyse hindeutet.

00:04:53: Ein weiteres Warnsignal sind einseitige Schwellungen, Rötungen oder Überwärmung – was an eine Beinvenentrompose denken lässt.

00:05:01: Auch Begleiterscheinungen wie neurologische Ausfälle, Fieber, Atemnot nach Belastung oder eine fehlende Besserung nach wenigen Tagen in der Selbstmedikation erfordern zwingend eine ärztliche Diagnostik.

00:05:16: Wie lassen sich akute muskuläre Verletzungen?

00:05:18: die in der Selbstmedikation behandelt werden können, voneinander abgrenzen.

00:05:23: Ein klassischer Muskelkater entsteht durch Mikroverletzungen in den Muskelfasern und tritt charakteristischerweise Zeit verzögert – also zwölf bis zweiundsiebzig Stunden nach der Belastung auf!

00:05:36: Bei einer Zährung hingegen werden Muskelhasern über ihre Elastizitätsgrenze hinaus gedehnt.

00:05:42: sie verursacht typischer Weise ziehende Schmerzen ,die sich in Ruhe bessern.

00:05:47: Wird diese Dehnung zu extrem, kommt es zum Muskelfaserriss.

00:05:52: Dieser ist durch plötzlich einschießende stechende Schmerzen, völligen Funktionsverlust und oftmals eine spürbare Delle im Muskelgewebe gekennzeichnet.

00:06:03: Sehr hänfig sind zudem akute Muskelkrämpfe.

00:06:06: Gerade nächtliche Wadenkrempfe beeinträchtigen die Lebensqualität stark!

00:06:17: Und wie unterscheiden sich die chronisch-entzündlichen von den degenerativen Gelenkerkrankungen?

00:06:23: Redflex bei Gelenken sind ausgeprägte Entzündungszeichen, chronische oder widerkehrende Morgensteifigkeit.

00:06:30: Tastbare Deformierungen und Begleitsymptome – wie Fieber oder Gewichtsverlust.

00:06:36: Zudem Erkrankung Die Rheumatoide Arthritis ist eine Autoimmunerkrankung, die symmetrisch kleinere Gelenke, wie Finger oder Hände betrifft und durch starke Morgensteifigkeit gekennzeichnet ist.

00:06:50: Sie verläuft in Schüben, die Entzündung zerstört langfristig den Knorpel- und den Knochenrand.

00:06:57: Die Psoriasis arthritis verläuft hingegen asymetrisch als oligoarthritis an weniger als fünf Gelenken – oft bestehen die typischen Hautsymptome hier schon Jahre im Voraus.

00:07:09: Die Arthrose hingegen ist eine degenerative Verschleißerkrankung.

00:07:14: Hier kommt es zu einem progressiven Knorpelabbau, typischerweise begleitet von Anlaufschmerzen, Knirschgeräuschen und einer Besserung der Schmerzen im Ruhezustand.

00:07:26: Kommen wir zur Pharmakotherapie in der Apotheke.

00:07:29: Wie sieht die evidenzbasierte Stufenterapie bei leichten bis mittelschweren Beschwerden aus?

00:07:35: Mittel der ersten Wahl bei akuten, leichten Beschwerde sind ganz klar topische, nichtsteroidale Anti-Rheumatika.

00:07:43: Wichtig ist die Applikation.

00:07:46: Die Gehle müssen gründlich, für circa eine Minute einmassiert werden!

00:07:51: Ein extrem wichtiger Beratungspunkt ist die Ökotoxizität von Diclofenac.

00:07:56: Wir müssen Kundinnen und Kunden instruieren, die Hände nach dem Auftragen mit einem Papiertuch abzuwischen und dieses im Restmüll zu entsorgen bevor sie sich die Händewaschen.

00:08:07: Systemische NSAA, Metamizol oder Parazetamol können kurzzeitig ergänzt werden.

00:08:14: Bei den Phytopharmaka hat Capsaicin moderate Wirksamkeitsbelege, es führt zu einer Überstimulation der Schmerzrezeptoren und einer anschließenden Daunregulation an den Nervenendigungen.

00:08:27: Und welche Therapien können längerfristig bei Arthrose- und Rheumatoideartritis verordnet werden?

00:08:33: Bei der Arthose kommen symptomatisch langsam wirkende Medikamente wie Kondroitinsulfat zum Einsatz.

00:08:41: Für die Beratung ist wichtig zu wissen, dass die Wirkung verzögert eintritt.

00:08:46: Frühestens nach ein bis zwei Monaten!

00:08:50: Wenn nach sechs Monaten keine Besserung spürbar ist muss die Therapie evaluiert werden.

00:08:56: Glucosamin wird in aktuellen Leitlinien hingegen nicht mehr empfohlen.

00:09:00: Bei akuten Entzündungen oder Arthrose spritzen Ärzte mit unterglucokorticoide direkt intraartikulär was schnell antiflogistisch wirkt.

00:09:11: Intraartikuläre Injektionen mit Hyaluronsäure haben gemess Meteranalysen mittlerweile keine klinische Bedeutung mehr.

00:09:18: Bei Rheumatoida arthritis sind die Dmat wie Methotrexat, TNF-Alpha-Blocker oder Jackerinhibitoren der absolute Goldstandard um die Gelenkzerstörung systemisch aufzuhalten.

00:09:32: Abschließend zu den Lebensstilinterventionen Welchen Evidenzgrad haben Bewegungen und Ernährung?

00:09:39: Einen sehr hohen.

00:09:41: Bei akuten Verletzungen gilt zunächst die bekannte Pechregel, Pause, Eis, Kompression und Hochlagern.

00:09:49: Langfristig ist Inaktivität jedoch der größte Feind.

00:09:53: Die WHO empfiehlt hundertfünfzig bis dreihundert Minuten moderate Bewegung pro Woche.

00:09:59: Bei Knieatrose sind abstoppende Sportarten wie Joggen kontraproduktiv.

00:10:04: Schwimmen oder Radfahren sind deutlich besser geeignet.

00:10:08: In puncto Ernährung wird eine antientzündliche Kost empfohlen.

00:10:11: Das bedeutet Reduktion von Entzündungsfördernder Arachidensäure, die vor allem in Schweinefleisch und Eiern steckt – und stattdessen eine Erhöhung der Omega-III Fettsäuren aus Kaltwasserfisch oder Nüssen.

00:10:26: Helmut!

00:10:27: Vielen Dank für diese evidenzbasierte Zusammenfassung.

00:10:30: Das liefert uns Apothekerinnen und Apothekern das perfekte Rüstzeug für die hochqualitative Beratung zu Muskel- und Gelenkbeschwerden An alle Zuhörerinnen und Zuhörer, die vollständige Fallstudie zu Muskel- und Gelenkbeschwerden finden Sie wie gewohnt auf der Webseite von Online Academy.

00:10:50: Sie ist mit zwölf Komma fünf FPH Punkten akkreditiert für Fortbildung Offizienpharmazie und Fähigkeitsausweis FPHA-Anamnese in der Grundversorgung.

00:11:00: Bis zum nächsten Mal!

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