Gendermedizin bei kardiovaskulären Erkrankungen

Shownotes

Die Episode beleuchtet, warum Herzinfarkte bei Frauen oft anders verlaufen und welche biologischen sowie soziokulturellen Faktoren (Sex vs. Gender) die Diagnose und Therapie beeinflussen. Sie lernen, "untypische" Symptome richtig zu deuten und erfahren, wie Sie die Pharmakotherapie durch Wissen über geschlechtsspezifische Dosierungsunterschiede sicherer gestalten können.

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00:00:09: Herzlich willkommen zu unserem Podcast für Apothekerinnen und Apotheka.

00:00:14: Mein Name ist Helmut, wir beschäftigen uns heute mit einem Thema das lange Zeit ein Nischendasein führte aber für die Sicherheit der Kundinnen und Kunden in der Apotheke absolut zentral ist – die Gendermedizin bei kardiowaskulären Erkrankungen!

00:00:29: Ich freue mich sehr dass meine Kollegin Carla heute hier ist.

00:00:32: sie hat den Fachartikel von Professor Doktor Methe Christine Meier Zürn vom Universitären-Herzzentrum Basel betreut.

00:00:40: Carla ist Herzinfarkt, Gleichherzinfarkт?

00:00:43: Dieser Satz ist überholt und kann im schlimmsten Fall Leben kosten!

00:00:47: Der Fachartikel von Prof.

00:00:49: Meier Zürn macht deutlich, dass kardiowaskuläre Erkrankungen mit thirty-fünf Prozent aller Todesfälle die Haupttodesursache bei Frauen sind.

00:00:58: Trotzdem zeigt sich ein massiver Gender Health Gap!

00:01:02: Das bedeutet, Frauen werden später diagnostiziert, seltener Leitlinien gerecht behandelt und haben nach einem Infarkt oft eine schlechtere Prognose als Männer.

00:01:11: Das liegt unter anderem an einer systematischen Unterrepräsentation in der Forschung, dem sogenannten Gender Data Gap.

00:01:19: Wir wissen heute einfach weniger über das weibliche Herz, weil Studien über Jahrzehnte primär an Männern durchgeführt wurden.

00:01:27: Bevor wir in die klinischen Details gehen – Der Fachartikel unterscheidet sehr präzise zwischen Sex und Gender!

00:01:35: Warum ist diese Unterscheidung für uns in der pharmazeutischen Beratung wichtig?

00:01:40: Das ist ein entscheidender Punkt.

00:01:42: Sex bezieht sich auf die biologischen Faktoren wie Gene, Hormone und Anatomie.

00:01:48: Gender beschreibt die soziokulturelle Ebene – also Rollenbilder, Lebensumstände und den Zugang zum Gesundheitssystem.

00:01:56: In der Beratung sehen wir beides.

00:01:58: Biologisch haben Frauen beispielsweise kleinere Coronararterien was interventionelle Eingriffe erschwert.

00:02:06: Soziokulturell gesehen neigen Frauen aber auch eher dazu, ihre Symptome zu bagatellisieren.

00:02:12: Oder sie sind durch familiäre Betreuungsverpflichtungen zeitlich so eingeschränkt dass Sie Ihre eigene Gesundheit hinten anstellen.

00:02:19: Beides führt zur Verzögerung in der Kette vom ersten Symptom bis zur Therapie.

00:02:25: Stichwort Symptoma Der Myocardinfarkt bei der Frau wird oft als atypisch bezeichnet.

00:02:31: Prof.

00:02:32: Meier Zürn scheint diesen Begriff im Fachartikel kritisch zu hinterfragen, richtig?

00:02:37: Absolut!

00:02:38: Wenn man bedenkt dass die Hälfte der Menschheit Frauen sind sollte man eher von geschlechtsspezifischen statt von atypischen Symptomen sprechen.

00:02:47: zwar haben Frauen auch oft Brustschmerzen aber bei ihnen treten viel häufiger Begleitsymptome auf die wir in der Apotheke als Red Flex kennen sollten Ausgeprägte Müdigkeit Übelkeit, Schmerzen im Oberbauch oder im Nacken- und Kieferbereich sowie ein plötzlicher Leistungsknick.

00:03:06: Oft suchen Frauen erst im Schnitt viel später medizinische Hilfe auf.

00:03:11: Wenn also eine Kundin bei uns über anhaltende ungeklärte Übelkite und Erschöpfungen klagt sollten wir hellhörig werden besonders wenn Risikofaktoren vorliegen.

00:03:21: Der Fachartikel führt eine ganze Liste von Risikophaktoren auf die wir im gängigen Risikokalkulator, wie dem SCORE II oder AGLA oft gar nicht finden.

00:03:32: Was sind hier die wichtigsten Erkenntnisse für uns?

00:03:36: Es gibt klassische Faktoren, die bei Frauen einfach stärker ins Gewicht fallen.

00:03:40: Rauchen zum Beispiel erhöht das Risiko für Frauen unter fünfzig Jahren deutlich stärker als bei Männern.

00:03:46: Auch Diabetes ist bei Frauen ein massiverer Treiber für Herzkreislauf-Events.

00:03:51: Aber dann gibt es eben die rein frauenspezifischen Risiken, die Professor Meier Zürn entlang der Lebensspanne aufzählt.

00:03:59: Das beginnt bei einer frühen ersten Regelblutung vor dem zwölften Lebensjahr, geht über das polizistische Ovarial-Syndrom in der Reproduktionsphase bis hin zur Menopause.

00:04:10: Besonders kritisch sind hypertensive Schwangerschaftserkrankungen wie die Präeklampsie.

00:04:15: Diese Frauen haben später ein doppelt so hohes Risiko für Rhythmusstörungen, Herzinsuffizienz oder Schlaganfälle.

00:04:23: Das heißt, eine Präeklampsie vor zwanzig Jahren ist heute noch ein relevanter Risikofaktor für einen Infarkt?

00:04:29: Genau.

00:04:30: Professor Meyer Zürn empfiehlt hier eine lebenslange strukturierte Nachsorge.

00:04:35: Wir in der Apotheke können hier ansetzen.

00:04:38: Wenn wir wissen dass eine Kundin solche Komplikationen hatte sollten wir sie aktiv zu regelmäßigen Blutdruck und Blutzuckerkontrollen motivieren.

00:04:47: Auch Autoimmunerkrankungen wie Rheumatoide-Atritis oder Lupus, die überwiegend Frauen betreffen, beschleunigen die Arteriosklerose massiv.

00:04:56: Und nicht zu vergessen – die Migräne mit Aura!

00:05:00: Sie gilt heute als unabhängiger kardiowaskulärer Risikofaktor für Frauen.

00:05:06: Nach diesen Informationen zur Anamnese nun zur Pharmakotherapie.

00:05:10: Frauen berichten ja statistisch gesehen häufiger Überlebenwirkungen.

00:05:15: Liegt das nur an der Wahrnehmung oder gibt es handfeste pharmacologische Gründe?

00:05:20: Nein, das ist reine Biologie.

00:05:22: Frauen haben eine andere Pharmakokinetik – sie haben eine längere Magenentleerungszeit und weniger Magensäuresekretion was die Resorption beeinflusst Da sie oft ein geringeres Körpergewicht und einen höheren Körperfettanteil haben, wirken lipofiile Medikamente länger und stärker.

00:05:41: Zudem ist die Nierenfunktion bei Frauen oft geringer – was die Akkumulationsgefahr erhöht.

00:05:47: Ein ganz wichtiger Punkt ist die längere physiologische QT-Zeit bei Frauen, was sie anfälliger für Medikamenten induzierte Arrythmin macht.

00:05:55: Professor Meier Zürn hat im Fachartikel eine Tabelle mit konkreten Wirkstoffen zusammengestellt.

00:06:01: Kannst du uns da die wichtigsten Beispiele für den Apothekenalltag nennen?

00:06:29: Heißt das im Umkehrschluss, wir sollten bei Frauen grundsätzlich niedriger dosieren?

00:06:35: Der Fachartikel rät zur Vorsicht.

00:06:37: Es fehlen oft noch die großen, randomisierten Studien für spezifische Dosierungsempfehlungen – aber wir sollten in der Apotheke extrem wachsam sein!

00:06:46: Wenn eine Kundin über Nebenwirkungen klagt, sollten wir das nicht abtun sondern gemeinsam mit der Ärztin respektive dem Arzt prüfen ob eine Dosisreduktion im Sinne einer individualisierten Medizin sinnvoll ist.

00:07:00: Bei der Herzinsuffizienz wissen wir zum Beispiel, dass Frauen oft stärker von Sakubitril-Walsartan profitieren als Männer.

00:07:08: Ein Thema das in den letzten Jahren immer mehr Aufmerksamkeit bekommt ist die Versorgung von Transgenderpersonen.

00:07:15: Prof.

00:07:16: Meier Zürn geht auch darauf ein – was müssen wir hier kardiologisch beachten?

00:07:21: Transgender-Personen sind eine vulnerable Gruppe, die oft unter chronischem Stress und Diskriminierung leidet.

00:07:28: Beides sind psychosoziale Risikofaktoren für das Herz – aber es gibt auch direkte hormonelle Effekte!

00:07:35: Transgenderfrauen, die Estrogene einnehmen, haben ein erhöhtes Risiko für Herzinfarkte, Schlaganfälle und Tromboembulin, besonders bei oraler Einnahme.

00:07:45: Transdermalepräparate scheinen hier sicherer zu sein.

00:07:49: Das ist wichtig für uns, wenn wir solche Rezepte bearbeiten!

00:07:52: Wir müssen diese Personen als eigene Risikogruppe wahrnehmen die weder eins-zu-eins wie Zissmänner noch wie ZISS Frauen behandelt werden kann.

00:08:02: Wenn du den Fachartikel für die Kolleginnen und Kollegen in der Apotheke auf drei Kernbotschaften reduzieren müsstest Wie würden die lauten?

00:08:10: Erstens Ernst nehmen von untypischen Beschwerden.

00:08:14: Wenn eine Frau mit Risikofaktoren über extreme Erschöpfung oder Oberbauchschmerzen klagt, ist das ein kardiologischer Notfall bis das Gegenteil bewiesen ist.

00:08:24: Zweitens die Anamnese erweitern.

00:08:28: Fragen wir bei der Blutdruckberatung ruhig mal nach Komplikationen in früheren Schwangerschaften oder nach Autoimmunerkrankungen.

00:08:36: und drittens Nebenwirkungen als Hinweis auf kinetische Unterschiede sehen.

00:08:41: Frauen brauchen oft eine feiner, abgestimmte Therapie.

00:08:45: Als Apothekerinnen und Apotheka haben wir die Expertise set diesen Gender Health Gap in der täglichen Praxis ein Stück weit zu schließen.

00:08:55: Das

00:08:55: war unser Podcast für heute Carla.

00:08:58: vielen Dank für die Einblicke an alle Zuhörerinnen und Zuhöhrer.

00:09:02: Der vollständige Fachartikel Gender Medizin bei Kardiovaskulären Erkrankungen finden Sie wie gewohnt auf der Webseite von Online Academy.

00:09:12: Bis zum nächsten Mal!

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