ADHS im Erwachsenenalter: Nicht nur Defizite, sondern auch Stärken

Shownotes

Diese Episode fasst die zentralen Inhalte des Referats von Prof. Dr. Dominique Eich zusammen, das ADHS im Erwachsenenalter differenziert betrachtet und neben den bekannten Herausforderungen auch besondere Stärken wie Hyperfokussierung und ausgeprägte Kreativität in den Fokus rückt. Es werden häufige Begleiterkrankungen sowie die multimodale Pharmakotherapie praxisnah zusammengefasst. Ausserdem wird aufgezeigt, wie Sie in der Offizin junge Erwachsene in der vulnerablen Transitionsphase unterstützen können, um folgenschwere Therapieabbrüche effektiv zu verhindern.

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00:00:09: Herzlich willkommen zur neuen Episode unseres Podcasts für die Apotheke.

00:00:14: Mein Name ist Helmut, wir blicken heute auf das diesjährige Pharma-Keypunkt CH Frühlings Symposium zurück, dass im März twenty-sixundzwanzig in der Bernexpo Bern stattfand!

00:00:26: Das Leidthema lautete Kopf und Krise Facetten neurologischer und psychischer Gesundheit.

00:00:33: Ein Vortrag hat für besonders viel Gesprächsstoff gesorgt Das Referat von Frau Professor Dominik Eich zum Thema ADHS im Erwachsenenalter.

00:00:42: Nicht nur Defizite, sondern auch Stärken!

00:00:45: Meine Kollegin Carla hat den Vortrag live mitverfolgt.

00:00:49: Genau und ich kann schon vorwegnehmen der vortrag hat mich besonders angesprochen.

00:00:55: Die Stimmung in der neuen Location der Bernexpo war hervorragend und Professor Eich hat das Thema ADHS im Erwachsenenalter aus einer ganz besonderen Perspektive beleuchtet.

00:01:07: Kommen wir direkt zum wissenschaftlichen Kern, ADHS wird in der Öffentlichkeit oft als reine Kinder- oder Jugenddiagnose wahrgenommen.

00:01:15: Wie sieht die epidemiologische Realität bei Erwachsenden aus?

00:01:20: Das ist ein ganz zentraler Punkt.

00:01:22: ADHS ist eine Lebenszeiterkrankung.

00:01:26: Die Wissenschaft zeigt uns, dass die Symptomatik bei etwa fünfzig Prozent der betroffenen Kinder bis ins Erwachsenenalter hineinpersistiert.

00:01:35: Für die Schweiz bedeutet das konkret – die Prävalenz von ADHS liegt bei etwa vier Prozent der erwachsenen Bevölkerung.

00:01:44: Interessant!

00:01:45: Dies unterstreicht die hohe Relevanz des Themas ADHS.

00:01:49: Der Titel des Vortrags von Professor Eich betont explizit, dass ADHS nicht nur aus Defiziten besteht.

00:01:57: Wie lassen sich die Defizite mit den Stärken ausbalancieren?

00:02:01: Das war der faszinierendste Teil des Vortsrags!

00:02:04: Prof.

00:02:05: Eich hat die sieben klassischen Symptomkategorien der ADHS analysiert und jedem Defizit eine handfeste klinische Stärke gegenübergestellt.

00:02:15: Nehmen wir die klassische Aufmerksamkeitsstörung.

00:02:18: Betroffene haben zwar immense Mühe mit der Daueraufmerksamkeit und eine hohe Ablenkbarkeit bei uninteressanten Vorgängen.

00:02:26: Demgegenüber steht aber die Fähigkeit zur Hyperfokussierung – wenn sie ein Thema wirklich fasziniert, entwickeln Sie eine unglaubliche tiefe Konzentration!

00:02:36: Bei der motorischen Hyperaktivität also der inneren Rastlosigkeit und Unfähigkeit zu Entspannung resultiert daraus eine enorme Lebensenergie.

00:02:46: Eich zitierte hierzu schmunzelt ein aktuelles Beispiel aus den Medien, in dem Heidi Klum diese Energie als ihre persönliche Superpower bezeichnete.

00:02:56: Ein prägnantes Beispiel – wie sieht es bei den emotionalen Kategorien aus?

00:03:01: Bei der mangelhaften Effektkontrolle neigen Betroffene zwar zu Stressintoleranz, Ungeduld und Wutausbrüchen aber dieselbe Eigenschaft bedingt auch eine tiefe Leidenschaft mit der sie sich Projekten widmen.

00:03:16: Diese emotionale Achterbahn mit depressiven Einbrüchen und Euphorien geht oft mit einer überdurchschnittlich ausgeprägten Fantasie einher.

00:03:25: Und aus emotionalen Überreaktionen, und einer geringen Frustrationstoleranz erwächst auf der positiven Seite eine immense ansteckende Begeisterungsfähigkeit!

00:03:44: Absolut.

00:03:45: Die Desorganisation führt zu verpassten Terminen, chronischem Aufschieben und Chaos im Büro – aber dieses kognitive Springen generiert auch eine immense Kreativität und die Fähigkeit zum Multitasking.

00:03:59: Die Impulsivität schließlich, die sich in unüberlegten Entschlüssen, spontan käufen oder einer erhöhten Unfallneigung im Verkehr zeigt bringt gleichzeitig eine hohe Risikobereitschaft und ein ausgeprägtes Phänomen des Sensationseeking mit sich.

00:04:16: Diese Menschen trauen sich oft Dinge, vor denen andere

00:04:19: zurückschrecken.".

00:04:20: Das verändert den Blickwinkel komplett!

00:04:23: Dennoch ist der Leidensdruck oft hoch – und das liegt vermutlich auch an Begleiterkrankungen.

00:04:28: Was hatte Professor Eich dazu in ihrem Vortrag erwähnt?

00:04:32: Etwa achtzig Prozent der ADHS-Betroffenen leiden an mindestens einer Komorbidität.

00:04:39: ADHS versteckt sich regelrecht hinter diesen Erkrankungen, da sich die Symptome oft stark überschneiden.

00:04:46: Betroffene entwickeln im Längsverlauf Depressionen, Angst, Zwangs oder S-Störungen sowie Persönlichkeitsstörungen und Abhängigkeiten.

00:04:55: Besonders dramatisch ist das Risiko für Suchterkrankung.

00:04:59: Das Risiko für einen Alkoholmissbrauch oder eine Alkohlabhängigkeit ist bei Erwachsenen mit ADHS um das drei bis achtfache erhöht.

00:05:09: Kommen wir zur Behandlung, wie wird ADHS heute therapiert?

00:05:13: Professor Eich plädiert für einen multimodalen Ansatz.

00:05:17: Multimodal bedeutet im klinischen Alltag die Kombination aus Psycho-Education und evidenzbasierter Pharmakotherapie.

00:05:24: Eine Psychotherapie wird von erwachsenen Betroffenen erstaunlicherweise oft gar nicht gewünscht, sie ist laut Leitlinien aber spezifisch indiziert wenn schwere Störungen im Selbstwert erleben oder ausgeprägte Komorbiditäten vorliegen.

00:05:38: Ergänzt wird das Ganze durch langfristiges Coaching.

00:05:43: Schauen wir uns die Pharmakotherapie im Detail an, welcher molekulare Mechanismus liegt der Behandlung zugrunde.

00:05:51: Der therapeutische Ansatz basiert auf der gezielten Wiederaufnahmehemmung von Dopamin im synaptischen Spalt um den dort pathophysiologisch erniedrigten Dopaminspiegel wieder anzuheben.

00:06:02: das am häufigsten eingesetzte Stimulanz ist Methylphenidat.

00:06:07: Als alternative Stimulanzien kommen Dex-Methylphenidat, Listexamphetamin oder Dexamphetamin in Frage.

00:06:14: Wie sieht das konkrete therapeutische Vorgehen bei der Einstellung aus?

00:06:19: Erstens Die Medikation muss bei allen Betroffenen über einen Zeitraum von mindestens sechs Monaten stabil eingenommen werden bevor man die erzielten Verbesserungen verlässlich beurteilen kann.

00:06:31: Zweitens Die Entscheidung zwischen kurz- und langwirksamen Galeniken muss streng Patienten individuell erfolgen.

00:06:40: Ein riesiger therapeutischer Vorteil der kurzwirksamen unretardierten Ritalin-Tabletten liegt beispielsweise darin, dass sie eine definierte Wirkdauer von etwa vier Stunden aufweisen.

00:06:52: Professor Eich betonte das dies eine Einnahme am Abend ermöglicht – ideal für Erwachsene die beispielsweise neben dem Beruf noch eine Abendschule besuchen!

00:07:03: Drittens.

00:07:04: Bei ADHS-Betroffenen mit gleichzeitigem Substanzkonsum gilt die strikte Leitlinienempfehlung, langwirksame Stimulanzchen zu bevorzugen oder auf alternative Arzneistoffe wie Atomoxidin auszuweichen um das Missbrauchspotenzial zu minimieren.

00:07:21: Das leuchtet ein!

00:07:22: Gibt es wissenschaftliche Evidenz für komplementär medizinische Ansätze nach denen wir in der Apotheke ja sehr häufig gefragt werden?

00:07:31: Für die meisten komplementären Ansätze ist die Evidenz sehr dünn.

00:07:35: Professor Eich empfiehlt im Alltag jedoch explizit die flankierende Supplementierung von Vitamin D und Omega-III Fettsäuren in Kombination mit regelmäßiger körperlicher Aktivität, warum?

00:07:48: Weil dadurch nachweislich oft signifikant niedrigere Erhaltungsdosen an Methylphenidat ausreichen um die Symptome stabil zu kontrollieren.

00:07:56: Das ist ein hervorragender Beratungshinweis für die Offizien.

00:08:00: Abschließend, wo liegen die größten Hürden in der langfristigen Behandlungskontinuität und welche Rolle spielen wir als Apotheker dabei?

00:08:09: Die größte Hürde ist die Transition – also der Übergang vom Jugend in das Erwachsenenalter.

00:08:15: Das ist eine hochgradig vulnerable Phase!

00:08:18: Die gesetzliche Volljährigkeit korreliert leider nicht mit einer abgeschlossenen Hirnreifung.

00:08:24: In dieser Phase des Umbruchs, bedingt durch den Auszug aus dem Elternhaus oder einen Ortswechsel, bricht die Kooperation oft ein.

00:08:33: Der zwingende Wechsel der ärztlichen Zuständigkeit vom Kinderpsychiater oder Pediater hin zu erwachsenen Psychiatern und Hausärzten führt oft zu einem fatalen Phänomen.

00:08:43: Er wird von den jungen Erwachsenen als willkommener Anlass genutzt, die bisherige eigentlich wirksame Therapie komplett zu beenden.

00:08:51: Die Apotheke kann dabei eine wichtige Rolle einnehmen.

00:08:54: Wenn wir beim Einlösen der Rezepte aufmerksam zuhören – die Adherenz aktiv begleiten und den Transitionsprozess im Blick behalten – können wir massiv dazu beitragen, Therapieabbrüche zu

00:09:06: verhindern.".

00:09:10: An alle Zuhörerinnen und Zuhöhrer.

00:09:16: Den vollständigen Vortrag finden Sie auf der Webseite von farmaki.ch im On-Demand-Angebot vom Frühlingssymposium in den letzten Jahren.

00:09:26: Ergänzend mit der dazugehörigen Lernkontrolle ist dieses Bildungsangebot mit fünfzig FPH-Punkten akkreditiert als Fortbildung für Offizienfarmazi, Fähigkeitsausweis FPHA an Amnese in der Grundversorgung, Spitalpharmazie und klinische Pharmazie.

00:09:43: Bis zum nächsten Mal!

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